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Gemeinde Hardheim
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Geschichte


In der Besiedlungsgeschichte des Erfatals bilden die Kelten das erste Glied in der Kette namentlich überlieferter Völkerschaften. Ihr Rückzug aus unserem Raum dürfte ursächlich mit dem Vorrücken der Römer in Südwestdeutschland zusammenhängen. Die Reste des um 160 n. Chr. errichteten Baulandlimes als Zeichen der weitesten Erstreckung des Römischen Imperiums liegen nur etwa 10 km vom heutigen Hardheim entfernt. Als hundert Jahre später die römischen Grenzbefestigungen dem Vordringen der Alemannen nicht mehr Einhalt geboten, setzte eine Abfolge von Besiedelungen durch verschiedene germanische Stämme im Bauland ein.



Belege zur Ersterwähnung von Hardheim sind spärlich. Erstmals finden wir 996 einen Hinweis auf Hardheim in der gefälschten Urkunde Kaiser Ottos III. In der Zeit von 1050 - 1062 erwarb dann Abt Bruno von Amorbach in Hardheim verschiedene Eigengüter. Auch andere adlige und kirchliche Herrschaften hatten in Hardheim Besitzungen, die teilweise an das örtliche Niederadelsgeschlecht verlehnt waren.
Dieser Hardheimer Adel ist von 1197 - 1607 belegbar. 1197 bezeugt ein Henricus von Hartheim eine Schenkungsurkunde. Sein Nachkomme Reinhard von Hartheim erscheint als Zeuge im Jahre 1286.

Vor dem urkundlichen Auftauchen der 'Hartheimer' war bereits das hochadlige Geschlecht derer von Schweinberg ausgestorben. Die bescheidenen Reste ihres Stammsitzes, mit dem das Amt des Erbkämmerers des Herzogtums Franken verknüpft war, sind die letzten Zeugen dieser einst edelfreien Familie. Ihr Erbe gelangte auf Umwegen an die Grafen von Wertheim bis zu deren Aussterben.
Die beiden Hardheimer Burgen, Stammsitze zweier Linien der Ritter von Hardheim, werden in den Jahren 1324 und 1326 erstmals erwähnt. Sie müssen beide wohl älter sein. Ebenso vor dem Jahr 1325 erfolgte die Spitalgründung durch die Herren von Hardheim. Das Niederadelsgeschlecht war Lehensnehmer der Bischöfe von Würzburg und Mainz sowie der Grafen von Wertheim.
Es besaß den größten Teil des Ortes und erhielt 1389 die Gerichtsbarkeit im Dorf. Der Zerstörung der Unteren (niedere) Burg in einer Fehde im Jahre 1444 folgte ihre Veräußerung an den Bischof von Würzburg. Damit existierte nur noch eine Linie des Geschlechts, das im 16.Jhdt. den Höhepunkt seiner Macht erreichte. Sichtbares Symbol dieses Aufstiegs ist das Schloss, das Ritter Wolf 1561 errichten ließ, nachdem er im Ort und für seine sonstigen Untertanen um 1555 die Reformation eingeführt hatte. In eben diese Blütezeit fällt auch die erste Überlieferung von in Hardheim abgehaltenen Märkten. Bereits mit dem Aussterben des Wertheimer Grafengeschlechts 1556 gelang es dem Bischof von Würzburg, einige alte Herrschaftsansprüche geltend zu machen. Als Ritter Georg Wolf von Hardheim 1607 ohne erbberechtigte Nachkommen verstarb, zog Fürstbischof Julius Echter die Würzburger Lehen der 'Hartheimer' ein. Sämtliche Untertanen wurden wieder zum katholischen Glauben zurückgeführt.

Die Erbauseinandersetzung über den Hardheimer Besitz wurde erst 1630 durch Reichskammergerichtsbeschluss im wesentlichen zugunsten von Würzburg entschieden. Die Landeshoheit, die Kurmainz inne hatte, ging 1656 durch einen Austauschvertrag an das Fürstbistum Würzburg über. Das bereits viel früher eingerichtete Würzburgische Oberamt Hardheim (Amt Hardheim-Schweinberg) übernahm die volle Jurisdiktion. Die erst im 17. Jh. so bezeichnete Zehnt und das Ortsgericht wurden zusammengelegt.

Nach der von Napoleon erzwungenen Neuordnung Deutschlands wurde das Amt Hardheim im Zuge der Auflösung der kirchlichen Fürstentümer in das rechtsrheinisch 1803 neu entstandene Fürstentum Leiningen eingegliedert und kam 1806 zum Großherzogtum Baden. Das 19. Jahrhundert, in dem die Plünderung des standesherrschaftlichen Zehntspeichers im Zuge der 1848er Revolution nur eine Episode darstellt, war allgemein durch eine wirtschaftliche Lähmung gekennzeichnet. Zu den ehemals landwirtschaftlich eingerichteten Kleingemeinden fehlten florierende gewerbliche Betriebe.

Mit dem Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Hardheim immer mehr für das Umland Arbeitsort für Industrie- und Gewerbebetriebe. Ihren Teil zu dieser Entwicklung trug die Anbindung Hardheims an das Eisenbahnnetz im Jahre 1911 bei. Als Stichbahnlinie war sie in späterer Zeit allerdings zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Die nationalsozialistische Herrschaft besiegelte das Ende der nachweislich über 600 Jahre langen Tradition der Hardheimer jüdischen Gemeinde und hatte einen enormen Zuzug an Heimatvertriebenen in Zeiten kriegsbedingter wirtschaftlicher Not zur Folge.

Dennoch setzte bald nach dem II. Weltkrieg ein ungeahnter industrieller Aufschwung ein, der Arbeitskräfte erforderte. Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft um 1955 beginnend, erfolgte eine vollständige wirtschaftliche und soziale Strukturveränderung.
Dieser Umschichtungsprozess auf dem landwirtschaftlichen Sektor ist gravierend. Kleinbetriebe lösen sich auf oder arbeiten nur noch als Nebenerwerbsbetriebe. Viehhaltung, der Feld- und Wiesenanbau konzentriert sich auf größere Betriebe. Die freiwerdenden Arbeitskräfte fanden im Gewerbe und in der Industrie Ausbildungs- und Arbeitsplätze (Maschinen- und Mühlenbau, Raum-Innenausstattung-Gestaltung-Ladeneinrichtungen, Hoch- und Tiefbauunternehmen, Kunststoffverarbeitung, u. a.).
Im Jahre 1966 wurde Hardheim Garnisonsgemeinde. In der Carl-Schurz-Kaserne sind das Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12, das 3./Instandsetzungsbataillon 12 und die Drohnenbatterie 12 untergebracht. Außerdem ist in Hardheim ein Bundeswehrhauptgerätedepot. 1992 wurde eine amerikanische Raketenabwehreinheit abgezogen, die seit 1961 in Hardheim stationiert war.



Hardheim im fränkischen Odenwald
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