Prof. Dr. Edmund Nied

Prof. Dr. Edmund Nied


Heimat- und Namensforscher (1889 - 1939)








Namensforscher Professor Dr. Edmund Nied (1889 -1939)
Wer sich in unserem heimatlichen Bereich ernstlich mit der Heimat-, Familien- und Namensforschung befasst, dem begegnet in Literaturangaben hierzu auch der Name Edmund Nied.

Auf dem Friedhof in Gerichtstetten steht ein Grabstein mit der Inschrift: »Dr. Edmund Nied / Priester und Professor / geb. 27. März 1889 in Boxberg / gest. 27. März 1939 in Gerichtstetten«.
Diesen wenigen Worten widmete ich meine Aufmerksamkeit. Im Necrologium Friburgense 1936 -1940 steht am Schluss zu lesen: »Ein durchdringender Denker, ein tiefinnerlicher Seelsorger, ein sehr erfolgreicher Lehrer, ein großer Freund von Heimat und Volkstum und ein hochgesinnter Priester sind mit ihm dahingegangen«.
Sein Vater war Schreinermeister in Boxberg, die Mutter stammte aus Gerichtstetten. Nied wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Der damalige Ortspfarrer erkannte die außergewöhnliche Begabung dieses Jungen. Er förderte ihn, wo immer er konnte. 1910 legte Edmund Nied ein glänzendes Abitur in Tauberbischofsheim ab. Seine Abiturrede hieß: »Die deutschen Familiennamen«. Es war ein außergewöhnliches Thema zu dieser Zeit.
An der Universität Freiburg studierte Nied zunächst an der Philosophischen Fakultät, ehe er sich der Theologie zuwandte. Seine Priesterweihe erfolgte am 30. Juni 1915. Von 1915 -1918 stand Edmund Nied im Heeresdienst als Sanitätssoldat und Lazarettgeistlicher und kam 70 % schwerkriegsbeschädigt nach Hause. Neben seinen priesterlichen Aufgaben studierte Nied weiter und promovierte 1923 zum Dr. phil. in Freiburg. Seine Dissertationsarbeit hatte das Thema: »Heiligenverehrung und Namensgebung«.
E. Nieds Verdienst war, erkannt zu haben, dass im fränkischen Raum des Landes Baden so gut wie keine ernsthafte Familienforschung erarbeitet war. Fröhners Karlsruher Namenbuch 1856 war nach Umfang und Inhalt veraltet. Das ausgezeichnete, von Prof. Dr. Ochs redigierte »Badische Wörterbuch« lag noch nicht im Druck von Nied wurde freundlicherweise die Einsichtnahme in das Manuskript gestattet.
1924 erfolgte gleichzeitig der Druck des »Familiennamen-Buch für Freiburg, Karlsruhe und Mannheim«. Dieses von der Stadt Freiburg unterstützte Buch dehnte Nied auch auf Karlsruhe und Mannheim aus, da viele gleiche Namen in den drei genannten Städten zu finden waren. So erfasste er ca. zehntausend Familiennamen und schuf damit ein erstes badisches Namenbuch.
Seine philologische Staatsprüfung wie zuvor auch sein Pfarrkonkurs bestand er als Bester mit der Note »vorzüglich«. Für das Philologische Staatsexamen bearbeitete Nied das philosophische Thema: »Glaube und Wissen nach Thomas von Aquin«.
Schon ab 1929 erschien während seiner seelsorgerischen und pädagogischen Tätigkeit in Tauberbischofsheim in den »Heimatklängen des Tauberund Frankenboten« eine interessante Artikelserie von Nied über »Fränkische Namen« und ihre wissenschaftliche Ausdeutung. Daraus entstand 1933 die vielbeachtete Publikation »Fränkische Familiennamen«, ein Heimatbuch, welches die Heimatfreunde und die Fachwelt anerkennend begrüßten. Das Ergebnis gründlicher Untersuchungen waren die »Familien- und Flurnamen« seiner Heimatstadt Boxberg, die in den Jahren 1935 und 1936 in den Jahresheften »Mein Boxberg« veröffentlicht wurden. In vielen Vorträgen im badischen Frankenland begeisterte Nied seine Zuhörer durch seine Kenntnisse und das Wissen um örtliche Zusammenhänge fränkischer Familiennamen.
Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit erarbeitet, erschien 1938 »Südwestdeutsche Familiennamen« (Baar und Umgebung). In diesem von der Anlage her richtungsweisenden Buch sind 733 Namen benannt und ca. 4 000 Namensausdeutungen nach Urkunden zusammengefasst. Grundlegende neue Erkenntnisse wurden gewonnen, die bis heute ihre Gültigkeit haben. Edmund Nieds »Fränkische und Südwestdeutsche Familiennamen« gelten als Empfehlung und Beispiel in der namenkundlichen Literatur. Bei der Namenssuche für die Wanderungsbiographien von Familien aus dem Odenwald und Bauland kann man sich an Nieds Forschungsarbeiten orientieren.
Seine angeschlagene Gesundheit zwang Nied 1938, seine Pensionierung zu beantragen. Er übersiedelte nach Gerichtstetten. Dort wurde er von seinen Verwandten liebevoll gepflegt. Sein Leben vollendete Nied an seinem 50. Geburtstag, am 27. März 1939.
ROBERT HENSLE