Julius Heffner

Julius Heffner


Maler (1877 - 1951)








Der Schwarzwaldmaler liebte seine fränkische Heimat
Julius Heffner war Franke. Es zog ihn wie viele junge Menschen aus der Enge des badischen Frankenlandes hinaus in die Welt, um dort sein Glück zu suchen. Der karge Verdienst auf der heimatlichen Scholle und die Überbevölkerung begünstigten die Ab- und Auswanderung einer großen Anzahl junger und hoffnungsvoller Menschen vor und nach der Jahrhundertwende. In den Dorfgemeinden und in den Landkreisen mangelte es an beruflichen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Zu gehobenen Berufen in den Städten fehlten für viele begabte Menschen die schulischen Voraussetzungen. Das Berufsziel zu erreichen, war mit Opfern verbunden. Stipendien im heutigen Sinne waren unbekannt.

So verließ auch Julius Heffner das Bauland. Immer blieb er mit großer Heimatliebe dieser fränkischen Landschaft verbunden. Er wirkte nicht nur als ein vorbildlicher und hervorragender Pädagoge, besonders bei der Erziehung der gewerblichen Jugend des Malernachwuchses, sondern brachte es durch intensives Selbststudium zu künstlerisch anerkannten Leistungen und wurde der geschätzte und hochverehrte Schwarzwaldmaler.
Im Erfatal geboren
In der Baulandgemeinde Bretzingen, Landkreis Buchen i.O., wurde Julius Heffner am 19. Februar 1877 als zweiter Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters Gustav Adolf Heffner und dessen Ehefrau Theresia, geb. Seubert aus Waldstetten geboren. Zwei Stiefgeschwister und acht Geschwister lebten im Elternhaus, in dieser mit Kindern so reich gesegneten Bauernfamilie. Seine Eltern bewirtschafteten in althergebrachter Pflichttreue den Hof und bearbeiteten den so schweren Boden des Muschelkalkes.
Schon die Mutter seines Vaters kannte den Kampf um das harte Leben eines Bauern im Baulande. Sie verlor sehr früh ihren Mann, der sieben Jahre krank darnieder lag. Diese Frau brachte es fertig, obwohl man noch das Futter zum Teil auf dem Kopfe nach Hause trug, von ihren vier Söhnen drei studieren zu lassen. Der Sohn Andreas wurde Pfarrer, Josef Anton war Professor an der Lehrerbildungsanstalt Ettlingen und wirkte später als Direktor an einer Höheren Töchterschule in Offenburg, Makarius studierte Forstwissenschaften und Gustav Adolf, Julius Heffners Vater, übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb.
Für unsere heutigen Begriffe war dies eine unvorstellbare und unglaubliche Leistung einer einfachen Bauersfrau. Sie steht vor uns als eine tatenvolle, energische, weitblickende und opferbereite Mutter. Diese ererbte und angebotene Zähigkeit war nicht nur dem kleinen Julius und allen seinen Geschwistern eigen, sondern dazu gesellte sich Begabung und Intelligenz.
Er lernte die Arbeit seiner hochverehrten Eltern schätzen und wusste, dass man, um das tägliche Brot zu verdienen, arbeiten musste. Sein ältester Bruder wurde 1901 zum Priester geweiht, sein Stiefbruder Andreas Heffner war viele Jahre Bürgermeister in der Erfatalgemeinde Bretzingen. Der Sippenname ist in Bretzingen und Erfeld einige Jahrhunderte nachweisbar.
Harte Jugendjahre
Schon in der frühesten Jugend bestand bei ihm die Neigung und Absicht, einmal Maler oder Musiker zu werden, doch die erste Neigung behielt den Vorrang. jedes Fleckchen Papier wurde bemalt, was zu der damaligen Zeit und im ländlichen Haushalt kostbar war. Die Nachbarzäune waren vor einer zusätzlichen Ausschmückung mit Kreide durch ihn keinesfalls sicher. Selbst der mit der Peitsche drohende Nachbar konnte den kleinen Malkünstler keineswegs in seinen Erstlingswerken beirren, seine Mallust beengen oder diese gar austreiben. Der Drang zur Malerei schien sich durchzusetzen. Die Renovierungsarbeiten in der Walldürner Basilika hinterließen bei dem heranwachsenden Julius einen unglaublich tiefen Eindruck und bestärkten ihn in seinem Vorhaben, einmal Maler zu werden.
Der lernbegierige Julius begnügte sich nicht mit seiner normalen Schulausbildung (Realschule), sondern nahn auch noch zusätzlich am gewerblichen Unterricht der Fortbildungsschule (Sonntagsschule) teil. Dieser wurde im Winter sonntags morgens von 6 - 8 Uhr und im Sommer von 5 - 8 Uhr in Hardheim erteilt. Der Lehrer, der seine Fähigkeiten erkannte und förderte, hieß Georg Schremm.
Sein Vater bestand darauf, dass Julius erst seine schulische Ausbildung beenden sollte. Später könnte er zusätzlich noch genug malen. Er schickte ihn in die Realschule Buchen und Eppingen. Der erste und vielleicht für sein Leben nicht unwesentliche Erfolg als Schüler war der Verkauf eines kleinen Aquarells für 20 RM. Es war ein Stadtturmmotiv von Tauberbischofsheim und wurde als Postkarte gedruckt und verkauft.
Sein Studium nahm er an der Baugewerkschule Karlsruhe auf, um dann die Gewerbelehrerlaufbahn einzuschlagen. Er praktizierte in verschiedenen Berufen, insbesondere als Maler und Dekorateur. Seine erste Anstellung fand er in Walldürn. Freiburg wurde 1900 seine Wahlheimat. Er wirkte hier als vorbildlicher Pädagoge und Studienrat in Malerklassen der Gewerbeschule und der Meisterschule des Malerhandwerks. Wegen Diabetes trat er 1934 in den frühzeitigen Ruhestand.
Dieser Stadt blieb er bis zu seinem Tode am 2. Februar 1951 verbunden. Freiburg wurde die Stadt seines künstlerischen Erfolges.
Beharrlichkeit im täglichen Üben
Bei seinem bescheidenen Anfangsgehalt im Schuldienst nahm er seinen jüngeren Bruder mit nach Freiburg und ermöglichte ihm die Ausbildung zum Volksschullehrer. Leider fiel sein Bruder im Ersten Weltkrieg.
Mit Beginn der Freiburger Zeit gehörte neben der beruflichen Arbeit das Arbeiten mit Bleistift und Kohle auf dem Skizzenblock zum Tagesablauf. Bezeichnend war sein Ausspruch: »Man muss zeichnen, wie ein Huhn scharren muss.«
Diese Beharrlichkeit und Zähigkeit bei diesen in die Tausende gehenden Studien führten schließlich zum großen Erfolg.
Die Skizzen mit ihren verschiedenen Zielsetzungen und ihrer Fülle dienten der Gründlichkeit des Naturstudiums.
So entstanden mit Bleistift und Tusche Umriss-, Form- und dazu Farbskizzen, Farbstudien jeder Art, jahreszeitlich bedingt und voll wirklichkeitsnaher Aussage. Dem jungen Künstler bereitete die figürliche Darstellung keineswegs Schwierigkeiten. Stilleben und Landschaften malte er mit gleicher Lebendigkeit.
Er malte Aquarelle, arbeitete mit Temperafarben und in Öl. Sehr bald entschied sich Julius Heffner für die Landschaftsmalerei. Als Autodidakt gelang ihm der große Durchbruch.
Die künstlerischen Erfolge
Kurz nach 1900 ist Julius Heffner in Kunstvereinen immer wieder vertreten, so in Chemnitz 1906, Rostock 1907, Baden-Baden 1908 und Freiburg 1909. Hier stehen die Arbeiten Heffners in der Qualität im Vergleich zu dem bekannten Meister der winterlichen Landschaft, Prof. Hermann Dischler. Wenn auch vollkommen wesensverschieden, finden seine Arbeiten weiteste Anerkennung in den Kreisen der Kunstfreunde und Kunstkritiker. Er malte eine Ergebenheitsadresse an das Großherzogliche Haus im Jahre 1910, eine Silberhochzeitsgabe, Ehrengabe des Schwarzwaldvereins »Die vier Jahreszeiten in Schwarzwaldlandschaften«.
Es folgten Ausstellungen in Bayreuth 1911 und im Badischen Kunstverein 1913. Der Erste Weltkrieg unterbrach die künstlerische Tätigkeit. Julius Heffner war Soldat an der Ostfront. Hierbei in Polen eingesetzt, führte der weitere Weg bis Konstantinopel. Auch hierbei vergaß er das Zeichnen nicht. Todkrank kehrte er aus dem Kriege zurück. Der Pflege seiner Schwester Rosa, die auch den Nachlass bis zu Ihrem Tode am 1. Juni 1978 verwaltete, verdankte er seine Wiedergenesung.
1922 war er in Buenos Altes mit 21 Öl- und 4 Temperabildern in einer Ausstellung vertreten. Überragende Kritik fanden seine Bilder und alle wurden verkauft.
Julius Heffner war Mitbegründer der Ausstellungsgemeinschaft »Die Schwarzwälder« mit Prof. Hermann Dischler, Prof. Curt Liebich, Wilhelin Haller, Wilhelm Wickertsheimer u. a. Diese Gemeinschaft war in wechselnden Ausstellungen 1927 -1940 bei den Kunstvereinen in Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Pforzheim und im ganzen damaligen Reichsgebiet mit guten Kritiken bedacht.
Die große malerische Periode von Julius Heffner darf man in die Zeit nach 1930 ansetzen.
Besondere Ehrung
Zum 60. Geburtstag des Meisters wurde Julius Heffner innerhalb »Die Schwarzwälder« in Freiburg eine Sonderausstehung eingeräumt. Es war nicht nur die verdiente Ehrung eines Repräsentanten dieser Gruppe, sondern auch die Anerkennung und der Erfolg seines unermüdlichen Schaffens.
Schon lange war er als der Maler des Kirchzartener Tales apostrophiert worden.


Seine Bilder aus dem Elsaß, aus der Rheinniederung bei Breisach, Blumenfeld, Engen, Pfullendorf, Wildberg am Titisee, im Hotzenwald, auf dem Hornberg, in Breitnau-Steig, in Bernau Schönenberg, die Oberrheinbilder, die Bilder aus der fränkischen Heimat u. a. fanden sehr große Resonanz. Vom einfachsten Mann bis zum Minister ging der Käuferkreis. Sein realistischer, malerischer Landschaftsstil war eine huldigende Geste an seine Heimat.
Kunstkritiker über sein Werk
Seine faszinierenden Bilder entsprachen der Fülle malerisch gefasster Wirklichkeit und ließen immer die kompositorische Klarheit erkennen. Die Kunstkritiker Prof Dr. Hermann Schwarzweber, Dr. Walter Reimer, Dr. von Graevenitz, Werner Häll, Fritz Wilkendorf, Helmut Schulz u. a. waren sich in ihren Kritiken darin einig, daß aus seinen Bildern eine seltene tektonische Klarheit und eine überzeugende Gesetzmäßigkeit sprach. Der edle, weiche Schmelz der Farbe verhalf dazu, die unmittelbare heiße Liebe zu dem heimatlichen Boden immer wieder zu bekunden. Der renommierte und in seiner Branche bestbekannte Kunstverlag Franz Hanfstaengel, München, brachte als Lichtdruck in Großformat fünf die heute noch seiner besten Landschaften heraus, käuflich sind.


Seine Bilder fanden weitgehende Anerkennung. Der Kunstkritiker Dr. Walter Reimer schrieb einmal u. a. » ... die schöne Harmonie zwischen großliniger Wesensschau der zutiefst erlebten Landschaft und die unbeirrbare, treue, unermüdliche, geduldige Hingabe an die zeichnerische wie farbliche Einzelheit, die seinen Bildern eine verhaltene, leuchtende Kraft der endgültigen und lebensbejahenden Aussage über diese unsere Heimat gibt. « Prof. Dr. Hermann Schwarzweber fand damals in seiner Kritik A seinem 60. Geburtstag die folgenden Worte: »Alle Schönheit in ihren stillen Zauber der Stunde und der Jahreszeit hat der Heimatsucher aufgefunden, liebevoll wie nur ein Adalbert Stifter geschildert« ... »Und er tat dies mit einer Innigkeit und jenem Gottvertrauen, wie sie nur einen gläubigen Gottsucher auszeichnen, der das große Loblied auf die Schöpfung durch sie in sich klingen hört. «
Den späteren Ölbildern, in Wiesenlandschaften besonders ausgeprägt, haftet etwas von der seelischen Innigkeit eines Hans Thoma an.
Wie wir den Künstler sahen
Julius Heffner dürfte man als Naturalist eigener Prägung einordnen. Die Arbeiten in Öl »Raureif Landschaften«, » Sonnendurchbrüche durch Wolken in ein Wiesental oder über einem See«, Darstellungen durchfurchter Wettertannen und die Motive mit Vorliebe in saftigem Grün dürften zu den besten Arbeiten in dem fruchtbaren Schaffen des Künstlers zählen. Immer schließt geschickt eine Bergkulisse dezent im Hintergrund in überzeugender Raumtiefe den vielfältig imposant eingefangenen Blick in eine verträumte Landschaft ab. Diese Gabe, so zu schauen und so tiefst zu erfassen, konnte nur einem begnadeten Künstler von Gott geschenkt worden sein.
Diese Gnade war unserem Julius Heffner gegeben, der zu einem würdigen Repräsentanten in der Fremde für unsere Heimat wurde.